Über der Neubau der Chwadi Schule in Nepal erreichte uns ein Zwischenbericht, der über den nachfolgenden Link heruntergeladen werden kann:
Über der Neubau der Chwadi Schule in Nepal erreichte uns ein Zwischenbericht, der über den nachfolgenden Link heruntergeladen werden kann:
Die Oberin des Franziskanerinnen-Ordens des Klosters in Velipoja, Schwester Maria Juditha Heidel bekam am 16.11.2021 aus den Händen des Deutschen Botschafters Peter Zingraf das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreicht.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am 1. September 2021 die Verleihungsurkunde für besondere Verdienste unterzeichnet.
Juditha Heidel ist die Projektpartnerin der Jürgen Wahn Stiftung e.V. in Albanien. Der Vorstand der Jürgen Wahn Stiftung gratuliert ihr ganz herzlich und dankt für die langjährige Mitarbeit zum Erreichen unserer Vereinsziele.
Auch in den kommenden Jahren geht die Jürgen Wahn Stiftung e.V. weitgehend mit dem bewährten Vorstand an die Arbeit. Die Mitgliederversammlung am 15. November wählte den geschäftsführenden Vorstand, bestehend aus Klaus Schubert (1. Vorsitzender), Meinolf Schwefer (2. Vorsitzender) und Hans Pflüger (Schatzmeister) einstimmig erneut in die jeweiligen Ämter.

Der neugewählte Vorstand der Jürgen Wahn Stiftung e.V. (v.l.) Helmut Schütz, Brigitte Weimer, Meinolf Schwefer, Klaus Schubert, Thomas Frye, Hans-Wilhelm Pflüger, Norbert Röttger. Es fehlt Prof. Dr. Volker Wahn, der aus Berlin zugeschaltet war.
Neu im erweiterten Vorstand ist jetzt Brigitte Weimer. Die Sozialpädagogin, die sich seit dem Frühjahr für die Togo-Projekte engagiert, ersetzt Dr. Hassan Daoud. Dieser kandidierte aus Altersgründen nicht mehr. Erneut zwei weitere Jahre mit dabei sind die ebenfalls in den erweiterten Vorstand berufenen Helmut Schütz, Norbert Röttger, Prof. Dr. Volker Wahn und Thomas Frye.
Erstmals fand die Mitgliederversammlung in hybrider Form statt. Mitglieder konnten entscheiden, ob sie in Präsenz im Petrushaus oder per Videoschaltung online dabei sein wollten. Auch Projektpartner aus Guatemala und Togo waren live zugeschaltet und berichteten aus erster Hand von der schwierigen Pandemie-Lage in ihren Ländern. Die Betreuung von Kindern in den Kitas konnte lange Zeit nicht stattfinden, wurde jetzt unter besonderen Hygiene-Vorkehrungen aber wieder aufgenommen. In Guatemala wurden vor allem Lebensmittel- und Hygieneartikel-Pakete an die Familien verteilt und der Unterricht online organisiert. In Togo wurden große Schulklassen (bis zu 100 Kinder) aufgeteilt und dazu zusätzliche Hilfslehrer und provisorische Schulräume finanziert. Johanna Mester aus Lippetal und Katharina Krause aus Brühl berichteten über die ersten Wochen ihres gemeinsamen Praktikums in der integrativen Kita im albanischen Velipoje.
Mittlerweile richtet die Jürgen Wahn Stiftung den Blick wieder nach vorn: Erst im vergangenen Monat wurde eine neue Behindertenschule im mexikanischen Huayacocotla eröffnet. In Kürze startet der Neubau einer 5. Schule in Nepal, die mit Unterstützung eines Schmallenberger Unternehmens in dem Ort Majhitar errichtet wird. In Togo werden neue, massiv gebaute Klassenräume für eine dauerhafte Verkleinerung der Schulklassen geplant und weitere Hilfslehrer eingestellt. In Guatemala-City soll die Betreuungseinrichtung an der Mülldeponie um eine Schule ergänzt werden. „Das war für viele Mitglieder und Gäste eine abwechslungsreiche Veranstaltung, die bei manchem Zuhörer wohl die Frage aufwarf, warum das nicht schon früher so gemacht wurde“, resumiert Vorsitzender Klaus Schubert.

Vom 29.09.1995 bis zum 15.11.2021 war Dr. Hassan Daoud Mitglied im erweiterten Vorstand der Jürgen Wahn Stiftung e.V. . Er war Initiator und Antreiber unserer Syrien-Projekte. Jetzt hat Dr. Hassan Daoud die Verantwortung für die Hilfe in seinem Geburtsland in die jüngeren Hände seines Neffen Dr. Aber Mohammad gelegt. In der Mitgliederversammlung am 15.11. kandidierte Abu Fares, wie er in syrischen Familienkreisen genannt wird, nicht mehr für den Vorstand.
„Dank seines Engagements sind mittlerweile Generationen von behinderten Kindern in Salamiyah, Tartus und Damaskus nach modernsten Methoden physiotherapeutisch behandelt und psychologisch betreut worden“, würdigte Vorsitzender Klaus Schubert das Wirken von Hassan Daoud auf der Mitgiederversammlung am 15.11.2021.
Wieder einmal, seit 1994 regelmäßig, hat das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) der Jürgen Wahn Stiftung e.V. das
DZI Spenden-Siegel: Zeichen für Vertrauen
für das Jahr 2021.
Aus dem Text des Spenden-Siegels:
„Die Organisation
Jürgen Wahn Stiftung e.V.
Weslarner Weg 1
59494 Soest
hat die Leitlinien für die Vergabe des DZI Spenden-Siegels als Grundlage ihrer Arbeit anerkannt. Sie hat bestätigt, dass sie alle dazu erforderlichen Angaben wahrheitsgemäß und vollständig nach bestem Wissen und Gewissen gemacht und belegt hat. Nach intensiver und umfassender Prüfung hat das DZI festgestellt, dass die Organisation die Spenden-Siegel-Standards erfüllt und erkennt ihr das DZI Spenden-Siegel für den Zeitraum vom 1.1.2021 bis 31.12.2021 zu.
Die Organisation ist berechtigt, das abgebildete Siegel-Emblem zu führen. Berlin, den 26.05.2021“
Ergänzend hierzu teilt das DZI in seinem Prüfbericht mit, dass der Anteil der Werbeausgaben an den Sammlungseinnahmen im Jahr 2019 2,42 % (Vorjahr: 0,93 %) beträgt.
Ferner kommt das DZI zu dem Ergebnis:
„Der Jürgen-Wahn-Stiftung e.V., Soest, kann das DZI Spenden-Siegel erneut zuerkannt werden.
Die sieben Spenden-Siegel-Standards erfüllt der Verein wie folgt:
1. Die Organisation leistet satzungsgemäße Arbeit.
2. Leitung und Aufsicht sind angemessen strukturiert, klar voneinander getrennt und werden wirksam wahrgenommen.
3. Werbung und Öffentlichkeitsarbeit informieren klar, wahr, sachlich und offen.
4. Der Anteil der Werbe- und Verwaltungsausgaben an den Gesamtausgaben ist nach DZI-Maßstab niedrig („niedrig“ = unter 10%). Die Wirksamkeit des Mitteleinsatzes wird überprüft, und die Ergebnisse werden dokumentiert und veröffentlicht.
5. Vergütungen (trifft nicht zu)
6. Mittelbeschaffung und -verwendung sowie die Vermögenslage werden nachvollziehbar dokumentiert und angemessen geprüft.
7. Die Organisation berichtet offen und hinreichend umfassend über ihre Arbeit, Strukturen und Finanzen.“
Die Jürgen Wahn Stiftung e.V. ist stolz, seinen Spendern diese erfreuliche Nachricht mitteilen zu können.
Erika M‘Bata berichtet zur Corona-Situation in u.a. aus unseren Projekten:
Mitte März 2020 wurde vielen Menschen in Togo klar, dass die Auswirkungen der Pandemie nicht abzusehen sind.
In Afrika hat man auch nach Lösungen für dieses unbekannte Drama gesucht und so entstanden die unwahrscheinlichsten Dinge und Handlungen. Aus Solla, einem Dorf im Norden Togos, schrieb ein deutscher Priester im Mai 2020: „Die Mittel im Kampf gegen Covid 19 sind verschieden und manchmal sehr einfallsreich. Im Nachbarort Boufalé wurde ein magischer Bogen am Dorfeingang aufgestellt, der Krankheiten abwehren soll…“ Manche Leute schwören auf Sodabi (ein hochprozentiger Wodka, oft selbst hergestellt), andere auf Ingwer oder sehr scharfe Nahrungsmittel, die das Virus „ausbrennen“ sollten.
In den Krankenhäusern hier in Togo wurden alle COVID 19 – Patienten (mit starken oder weniger starken Symptomen) mit Chloroquine, einem Malaria-Medikament und einem Antibiotikum behandelt. Im Landesinneren lässt die Versorgung sehr zu wünschen übrig, in Lomé dagegen ist die Unterbringung und Versorgung sehr gut. In den Krankenhäusern, die für die Pandemie gerüstet wurden, sind alle Behandlungen sowie Unterbringung und das Essen kostenlos, auch für Personen, die nicht versichert sind. Anders dagegen ist es nach den 10 Tagen und zwei negativen Tests. Die Behandlung der Spätfolgen von COVID 19 trifft Menschen, die keine Krankenversicherung haben, besonders hart.
Im öffentlichen Leben wurden im März 2020 die Maskenpflicht und die Abstandsregel eingeführt, die auch noch heute gelten. Auf den Märkten, in Gesundheitseinrichtungen, in den Geschäften, den Banken, und selbst in den Kirchen wird dies von Gesundheitshelfern kontrolliert. Für Fußgänger ist das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung auf den Straßen keine Pflicht mehr. Allerdings kontrolliert die Polizei die Anzahl der Insassen in Bussen und Autos sowie das Tragen der Masken in Autos vor allem in Taxis.
Inzidenzwerte wie in Deutschland gibt es in Togo nicht. Die Ausbreitung der Pandemie wird aber genauestens beobachtet. Gibt es in einer Region eine stark ansteigende Zahl an COVID-Kranken, so wird diese Region abgeriegelt und man kann sie nur mit einer Sondergenehmigung durchfahren.
Von Ende März 2020 bis Anfang Juni 2020 waren die Schulen im ganzen Land geschlossen. Einige Fächer wurden über Rundfunk und Fernsehen unterrichtet, aber man stellte bald fest, dass die Schüler auf den Dörfern benachteiligt waren, denn es gibt noch immer viele Dörfer ohne Strom, ohne Fernsehgerät und nicht alle Haushalte besitzen ein Radio.
Mit der Wiederaufnahme des Schulunterrichts Anfang Juni begann man zu überlegen, wie man den Unterricht in Zukunft gestalten sollte. Es gibt in Togo Schulklassen mit einer Klassenstärke von über 100 Schülern, vor allem in den Eingangsklassen. Oft sitzen die Schüler zu dritt auf einer Schulbank und Gänge zwischen den Bankreihen sind dann nicht mehr möglich. Wie kann man da Abstand von 1,50m zum Mitschüler halten?!
In den zwei Grundschulen EPP Animadè und EPC Worodé gab es bezüglich der Distanzierung keine Probleme und Veränderungen. Auch die Tatsache, dass immer zwei Klassen in einem Klassenraum untergebracht sind, stellt in den Grundschulen kein Problem dar. Aber schon im CEG Kpaha sieht es anders aus. In der Eingangsklasse (6ème) waren es im Schuljahr 2019/2020 106 Schüler, aufgeteilt in zwei Klassenräume, in der 5ème zum Beispiel 71 Schüler in einem Klassenraum. Ebenso ist es im Lycée de Défalé. Es fehlt an Räumlichkeiten, an Bänken, an Lehrern, an didaktischem Material und an Büchern für das Lernen zuhause.
Das neue Schuljahr 2020/2021 begann etwas verspätet, man hatte organisatorische Schwierigkeiten. Die Klassen mussten geteilt werden, der Unterricht sollte in Schichten durchgeführt werden. Das heißt, ein Teil der Klasse hat frühmorgens 5 Stunden Unterricht und der zweite Teil am Nachmittag höchstens 3 Stunden, da man dann so langsam in die Dunkelheit kommt. In der darauffolgenden Woche wechseln dann die Schichten. Ob man bei verkürztem Unterricht das gesamte Programm des Schuljahrs lehren kann, wird sich zeigen. Außerdem erfordert es mehr Lehrer, die der Staat nicht bezahlen kann. Jeder Schulleiter sucht fleißig nach Freiwilligen, d.h. Junglehrern, die die Eltern der Schulkinder dann bezahlen müssen – wenn sie es können. Somit wird der Schulbesuch vor allem ab der weiterführenden Schule (die staatlichen Grundschulen sind seit einigen Jahren kostenlos), immer teurer und ist nicht mehr für alle Kinder möglich. Dank der Jürgen Wahn Stiftung ist für alle Kinder von Animadè, Worodé und Amaïdé der Schulbesuch nicht ans Geld gebunden, weder im CEG de Kpaha, noch im Lycée de Défalé.
Im April 2021 wurde der Kantinenbetrieb in den zwei Grundschulen Animadè und Worodé/Amaïdé wieder aufgenommen. Eltern und Kinder sind der Jürgen Wahn Stiftung sehr dankbar für die Wiederaufnahme dieses Programms. Eine warme Mahlzeit pro Tag bedeutet sehr viel für die Dorfkinder der Hochebene. Lehrer und Erzieher achten auch in den Kantinen auf die Einhaltung der COVID-Regeln: Händewaschen, Abstand halten, etc.
In den nützlichen Ferien 2021 ist wieder eine „von Haus-zu-Haus-Kampagne“ über besondere Schutzmaßnahmen gegen COVID 19 geplant, denn man möchte so besonders die älteren Leute erreichen.
Schneiderinnen aus dem Programm „Kinder der Welt“ werden Schutzmasken nähen, die bei dieser Kampagne verteilt werden sollen.
Lomé im Juni 2021
Zusammen mit unseren nepalesischen Freunden und Verantwortlichen und der Dorfgemeinschaft planen wir den Neubau von vorläufig 4 Klassenräumen.
Zur Projektplanung hat Situ Citu Chitrakar, eine Zusammenstellung der Planung gefertigt. Klicken Sie bitte hier auf den Link:
Pressemitteilung der Jürgen Wahn Stiftung e.V. vom 30.12.2020:
Wenn nicht jetzt, wann dann?
Jürgen Wahn Stiftung wirbt für „Brot statt Böller“
Man braucht keine hellseherischen Fähigkeiten für die Annahme, dass dieses Silvester ruhiger ausfallen wird als gewohnt. Raketen und Böller dürfen nicht verkauft werden und selbst Restbestände vom Feuerwerk aus dem letzten Jahr sollen jedenfalls auf öffentlichen Plätzen nicht gestartet werden. Das wäre eine gute Gelegenheit, den immer schon einmal gefassten Vorsatz umzusetzen und doch lieber etwas Geld für die Linderung des Hungers in der Welt zu geben, statt es in Pulverdampf und Lichtblitzen verglühen zu lassen. Das jedenfalls meint die Jürgen Wahn Stiftung und verweist darauf, dass für den Gegenwert eines handelsüblichen Feuerwerks ein Schulkind in Togo, Nepal oder Guatemala einen ganzen Monat ernährt werden kann. Die Verbesserung der Ernährungssituation von Kindern ist neben Bildung und Gesundheitsfürsorge wichtigstes Betätigungsfeld der Soester Hilfsorganisation.
Durch die Corona-Pandemie sind in den Projektländern viele Eltern ohne Arbeit und Einkommen. Kinder gehen nicht zur Schule oder zur Kita, wo sie sonst täglich eine warme Mahlzeit bekamen. Gerade deshalb springt die Jürgen Wahn Stiftung vermehrt in die Bresche und sorgt mit finanzieller Hilfe dafür, dass die Partnerorganisationen in Mittelamerika, Afrika oder Südostasien Grundnahrungsmittel und Hygieneartikel beschaffen und an die besonders Notleidenden verteilen können.
„Wenn nicht jetzt, wann sonst wäre unsere Hilfe besonders von Nöten. Wenn nicht jetzt, wann sonst wäre die Gelegenheit wirklich günstig, den sonst für Böller aufgewendeten Betrag für Brot und andere Nahrungsmittel zur Verfügung zu stellen“, fragt der Vorstand und hofft darauf, dass dieser Appell auf nicht im Rauch der Silvesternacht verpufft. Jeder noch so kleine Betrag könne dazu beitragen, Familien und Kindern in Togo, Nepal und Guatemala zu helfen. Er werde wie immer in voller Höhe vor Ort wirksam eingesetzt.
Die Kontoverbindung finden Sie auf der Website der Jürgen Wahn Stiftung e.V., www.juergen-wahn-stiftung.de oder der Facebook-Seite. Gerade für kleinere Beträge bietet sich auch eine Überweisung per PayPal.me @juergenwahnstiftung an, die schnell und für beide Seiten kostenlos ist.
Caroline Bischoff geb. Sasse war 2003/2004 als Praktikantin der Jürgen Wahn Stiftung in Guatemala und dort im Projekt „La Carolingia“ von ADECI tätig. Regelmäßig hat sie noch Kontakt zu Carmen Barrios, der Leiterin der Tagesstätte
Nachfolgend berichtet sie über das schwierige Projektarbeit im Rahmen der Corona-Pandemie 2020
… Dagegen sollen im Bildungs- und Gesundheitssektor Kürzungen vorgenommen werden– unfassbar gerade in diesem Jahr, in dem die Coronapandemie das Land so sehr gebeutelt hat: Die Krankenhäuser sind kollabiert; viele Menschen meiden sie, weil hier die Gefahr, sich anzustecken größer ist, als auf der Straße; es ist vorgekommen, dass Menschen ihre Angehörigen an der Krankenhauspforte abgegeben und nie wieder gesehen haben, weil sie verstarben und der Leichnam weggebracht wurde; Ärzte werden nur unzureichend oder gar nicht bezahlt und müssen sich selbst mit Schutzausrüstung versorgen, da nicht genug Ausrüstung zur Verfügung steht; die wenigen finanziellen Hilfen der Regierung kommen nicht oder nur spärlich bei der Bevölkerung an; die teuren Tests müssen selbst finanziert werden und können dementsprechend nicht ausreichend durchgeführt werden; Infizierte vertuschen ihre Symptome aus Angst vor sozialen Repressionen. 68% der Bevölkerung arbeitet ohne jegliche soziale Sicherheit im informellen Sektor. Bleiben sie Corona-bedingt zu Hause, werden sie kurzum entlassen; der ÖPNV liegt völlig lahm. Da die Menschen aber zur Arbeit kommen müssen, fahren sie mit Sammel-Pick-Ups. – Man kann sich bildhaft vorstellen, welche Art Mindestabstand dort eingehalten wird(!!) Für uns unvorstellbare Verhältnisse! Noch schlimmer ist es auf den Dörfern, in denen infizierte Menschen bei lebendigem Leibe angezündet wurden, damit sich das Virus im Dorf nicht ausbreitet!!
Seit Mitte März sind alle Kitas und Schulen im Land geschlossen. Es soll Onlineunterricht stattfinden – schwierig in einem Land, in dem 59,3% der Einwohner unter der Armutsgrenze leben. Auch ADECI hat die Pandemie hart getroffen: Zunächst war der Betrieb auf Grund von Ausgangsbeschränkungen vollkommen lahmgelegt. Im April haben Carmen und ihr Team ein Hygienekonzept ausgearbeitet und sind wieder täglich vor Ort. Sie haben Lösungen gesucht, um die Familien trotz der Beschränkungen unterstützen zu können. Für viele Kinder ist das Mittagessen im Projekt die einzige warme Mahlzeit am Tag. Das ADECI-Team verpackt mit finanzieller Unterstützung der Jürgen-Wahn-Stiftung Essens- und Hygieneartikel und gibt sie einmal wöchentlich an die Familien heraus; Material für die Kindergarten- und Schulkinder wird vorbereitet, welches die Familien zusammen mit den Essensspenden abholen, bearbeiten und wieder zurück bringen können. Dort werden die Aufgaben anschließend korrigiert. Es finden zeitversetzter Videounterricht und videobasierte Vorlesestunden statt. Die einzelnen Kindergartengruppen und (Vor-)Schulklassen sind in WhatsApp-Gruppen organisiert, über die die Eltern abends Videos der Kleineren bei der Lösung der Aufgaben schicken. Die „Escuela de Padres“ (gerichtlich verordnete „Elternschule“ für Eltern, denen die Behörden die Kinder entzogen haben und die hier im richtigen Umgang mit Kindern geschult werden) findet über einen Live-Youtube-Kanal statt. Allerdings gibt es unter ihnen Analphabeten, denen es nun unter Einhaltung des Hygienekonzeptes erlaubt ist, an den Workshops in ADECI teilzunehmen.
Carmen weiß von vier Corona-Fällen in der Elternschaft, die ihre Arbeit verloren und noch nicht wieder etwas Neues gefunden haben. Das Problem ist, dass sie von der Hand in den Mund leben und somit keinerlei Rücklagen haben, um die laufenden Kosten, wie Strom-, und Wasserrechnungen und die Miete bezahlen zu können.
Im Projekt werden vornehmlich Kinder alleinerziehender Mütter aufgenommen, weil sie es in Guatemala besonders schwer haben. Eine Mutter musste ihren Job als Putz- und Kochfee in einem Privathaus kündigen, weil der Arbeitgeber erwartete, dass sie zur Minimierung des Infektionsrisikos in seinem Haus übernachten und nur einmal im Monat nach Hause fahren sollte. Außerdem gibt es einige Mütter, die auf dem Markt verkaufen, auf dem zurzeit keine Kinder erlaubt sind. Eine der Mütter lässt ihre Kinder aus der Not heraus alleine zu Hause, schließt die Haustür von außen ab und lebt jeden Tag mit der Angst, ihren Kindern könne etwas zustoßen. Ihre ältere Tochter Lorena ist gerade mal 5 Jahre alt und muss auf ihre 3-jährige Schwester Jade und den noch kleineren Bruder aufpassen. Unvorstellbar! Andere nehmen ihre Kinder mit zu den Straßenverkäufen, wo sie den ganzen Tag auf den Beinen und natürlich auch erhöhtem Infektionsrisiko ausgesetzt sind.
Carmen würde gerne einzelne Kinder, die sich allein überlassen sind ins Projekt holen, allerdings hat die Regierung dies unter Strafandrohung untersagt.
Hoffen wir, dass die Pandemie weltweit und natürlich auch in Guatemala bald besiegt ist, die Kinder wieder ins Projekt kommen können und Carmen ihnen wieder Märchen vorlesen kann.